B4 // Klangkultur Köln-Mülheim
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Sommersemester 2015

Prüfer: Univ. Prof. Sabine Brück, Professor I.V. Ir. Fred Humblé
Koprüfer: Univ. Prof. Thomas Schmitz (BiG)
Betreuer: Dipl. Ing. Frieder Scheuermann

 

Übersicht
Umnutzung der rechtsrheinischen Brückenrampe der Köln-Mülheimer Brücke zugunsten eines Kulturtreffpunktes mit Musikerstudios, Bandproberäumen und einem Veranstaltungslokal.
Köln-Mülheim ist ein Viertel mit vielseitigen Potentialen. Einst ging von hier mit der Erfindung des Ottomotors die Motorisierung der Welt aus. Nach einer Zeit der Krise gegen Ende des letzten Jahrhunderts entwickelt sich Köln-Mülheim zunehmend zu einem interessanten Kulturstandort. Viele Initiativen beziehen sich noch auf die neuen Szeneorte in den weiträumig abgeschiedenen Industriebrachen, die unlängst von sich reden machten, während andere Teile Mülheims eine starke soziökonomische Verinselung aufweisen. Doch Koexistenz und Entfaltungsmöglichkeit scheinen greifbare Ziele und locken an den Mülheimer Rhein, wo sich im beschaulichen Idyll eine stattliche Brücke erhebt, die einen Hauch von großer, weiter Welt hineinträgt. Ein Ort um ein Lied zu schreiben?

Standort: Köln Mülheim
Der rechtsrheinische Stadtteil Köln-Mülheim ist von seiner Geschichte her ein industriell geprägter Stadtteil, der in den letzten Jahren einen starken wirtschaftlichen und soziokulturellen Strukturwandel mitgemacht hat.
Einst war Mülheim mit Firmen wie Felten & Guilleaume / Carlswerk, Böcking, KHD (heute Deutz AG) und dem Mülheimer Hafen ein bedeutender Wirtschaftsstandort. Jedoch hinterließ der anhaltende Prozess des Arbeitsplatzabbaus seit den 80er Jahren und schließlich die Schließung der großen Betriebe Ende der Neunziger Anfang der 2000er Jahre neben industriellen Brachflächen viele soziale Probleme. So ist der Anteil an Arbeitslosen und Sozialhilfebedürftigen in Köln Mülheim höher als im Durchschnitt der Stadt Köln. Köln-Mülheim ist darüber hinaus von einer starken sozialen Verinselung geprägt, so dass teilweise harte räumliche Grenzen entstehen – sowohl zwischen gut und schlecht verdienenden Bevölkerungsteilen als auch zwischen der alteingesessenen deutschstämmigen Bevölkerung und der Einwohnerschaft mit Migrationshintergrund. Aus Diesen Gründen riefen Stadt und Land das Strukturprogramm „MÜLHEIM 2020 Wege öffnen – Übergänge schaffen – zusammen wachsen“ ins Leben. Als Handlungsfelder wurden lokale Ökonomie, Bildung und Städtebau definiert.
Als Anfang der 90er Das E-Werk als Veranstaltungsort für Rock und Pop-Konzerte seine Pforten öffnete, war dies ein Zeichen eines langsamen und doch stetigen Prozess der Verstädterung und Gentrifizierung. Weitere Lokalitäten wie das Palladium und das Bootshaus folgten. Vergleichsweise erschwingliche Mietpreise locken zunehmend junge Kölner und Neukölner nach Mülheim zu ziehen. Fabrikbrachen bieten Entfaltungsfreiräume und werden zunehmend als Handlungsräume für den Kulturbetrieb genutzt. So bezog das Schauspielhaus Köln für eine langjährige Bauphase des innerstädtischen Stammhaus Quartier im ehemaligen Depot des Carlswerkes im Schanzenviertel. Aber auch viele kleinere Initiativen und Institutionen verlagern Ihren Fokus nach Mülheim.

Bauort: Die Brücke
An Rheinkilometer 692 existiert seit 1888 eine Brückenverbindung zwischen Mülheim und Riehl. Die Hängebrücke in ihrer heutigen Form ist die dritte Brücke an dieser Stelle und existiert seit 1951. Sie spannt mit einer Gesamtlänge von 683 Metern an ihrer weitesten Stelle 315 Meter frei über den Rhein. Die Brückenbreite beträgt 27,2 Meter, ist in jede Richtung mit zwei Fahrbahnen, Rad und Fussweg ausgestattet und bietet mittig Platz für den Gleiskörper der Stadtbahn. Entworfen wurde sie von dem Kölner Architekten Wilhelm Riphahn in Zusammenarbeit mit dem Ingenieur Fritz Leonhardt. Die Brücke steht seit 2004 teilweise unter Denkmalschutz (Denkmalnummer 8668)
Auf der rechtsrheinischen Seite schließt an die Hängebrücke eine knapp 300 Meter lange Brückenrampe an, die vom Wiener Platz an das Rheinufer reicht. Die Brückenrampe führt dabei an drei Stellen über die querenden Straßen Biegerstrasse, Wallstrase und Formesstrasse. Vor Kopf des Brückenwiderlagers führt entlang des Rheinufers die Mülheimer Freiheit unter der Brücke hindurch. Das Widerlager der Brücke wird von zwei Fußgängertreppen flankiert, die die Brückenfahrbahnebene und den Fußweg der Mülheimer Freiheit verbinden. Im Bereich zwischen Wallstraße und Mülheimer Freiheit beträgt die Rampenhöhe zwischen 7,8 und 9,8 Metern. Die Brückenrampe stellt damit trotz der Straßendurchführungen einen starken Einschnitt in den Stadtteil dar und trägt zu der oben beschriebenen Verinselung Mülheims bei.
Der Raum unterhalb der Brückenrampe wird zum Teil vom Amt für Brücken und Stadtbahnbau sowie der KVB genutzt. Große Teile der Räumlichkeiten unterhalb der Brückenrampe stehen jedoch seit einiger Zeit leer und fallen zunehmend der Verwahrlosung anheim. Da sich diese Verwahrlosung auf die zu beiden Längsseiten der Brückenrampe angrenzenden Freiflächen ausweitete, lobte die Stadt Köln 2009 einen Ideenwettbewerb für eine Restrukturierung und Neugestaltung der Freiflächen in diesem Bereich aus. Die Stadt dachte bei der Auslobung des Wettbewerbes auch eine Umnutzung des Baukörpers der Brückenrampe an, fokussierte sich aber hauptsächlich auf eine Anbindung des Wiener Platzes an die Uferpromenade. Die Räume des Rampenkörpers wurden aufgrund ihrer Solitärstellung für eine Sondernutzung freigegeben. Viele der Wettbewerbsergebnisse sahen hier daher eine kulturelle Nutzung vor. Wegen der Haushaltsknappheit kam jedoch in der Folgezeit keines der Wettbewerbsergebnisse zur Ausführung, sodass man nun nach einem Initialprojekt sucht um den Handlungsraum zu entwickeln.

Die Aufgabe
Die Aufgabe des Entwurfes ist es, den westlichen Teil der Brückenrampe sowie die Fläche des erweiterten Planungsgebietes zu einem Wirkungsort für Musiker und Musikschaffende auszubauen und damit eine Plattform des Austausches und der Rezeption des aktuellen Musikgeschehens zu entwickeln. Das Angebot soll sowohl separat zu nutzende Proberäume, eine Studio- und Aufnahmebereich als auch einen Veranstaltungsort mit einem gastronomischen Angebot beinhalten. Hierbei kann das gesamte Raumprogramm als eine zusammengehörige Nutzungseinheit betrachtet werden. Es ist aber auch denkbar, ein dezentrales Nutzungskonzept zu entwickeln, um ein kleinteiliges Verpachtungsmodell zu ermöglichen.
Da es sich um ein Verkehrsbauwerk handelt, muss die Möglichkeit der Wartung gewährleistet sein. Die Statisch relevanten Bauteile müssen zu jeder Zeit zugänglich und inspizierbar sein relevante tragende Bauteile dürfen nicht verändert werden.
Schwerpunkte des Entwurfes sind die Maßstäblichkeit, sowie die Einbindung in den städtebaulichen Kontext der Brücke und der umgebenden Freiflächen.
Besonders Augenmerk ist auf die Ausformulierung der Übergänge zwischen Innenräumen und Aussenräumen, sowie die Situation der rampenvorgelagerten Arkaden zu legen.
Weitere Aspekte sind die Anforderungen des Schallschutzes und der akustischen Entkoppelung.
Neben diesen pragmatischen Notwendigkeiten wird das Entwurfsprogramm ergänzt durch inhaltlichen Themen der Raumbildung, Raumatmosphäre, Materialität, Machart und Farbfindung.
Der Entwurfsprozess generiert sich dabei nicht nur aus Nutzerprogramm, Schemata, Daten und Notwendigkeiten, sondern stellt dieser Aufgabe eine eigene persönliche Absichtserklärung und Haltung gegenüber.