B1 // Esperanto Hostel, Kelmis
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Wintersemester 2014/2015

Prüfer: Univ. Prof. Sabine Brück, Professor I.V. Ir. Fred Humblé
Betreuer: Dipl. Ing. Frieder Scheuermann, Jens Kampermann

 

esperanto: Amikeyo ≈ deutsch: Ort der Freunde, (Staatsname von Neutral-Moresnet)
esperanto: Syno ≈ deutsch: Bettenburg Herberge

Ort und Geschichte
Es ist ruhig geworden in der ehemaligen Mikronation Neutral-Moresnet, dem heutigen Kelmis. Das war nicht immer so. Das seltene Mineral Galmei (Zinkspat), das hier reichlich im Boden zu finden war entzündete vor 200 Jahren in Folge des Wiener Kongresses einen Grenzstreit zwischen Preußen und dem Königreich Niederlande.
Als Kompromiss einigte man sich im Sommer 1816 in Aachen darauf, ein Gebiet von 3,4 km., das 256 Einwohner zählte zu neutralem Territorium zu erklären. Die Mikronation Neutral-Moresnet war geboren.
Der lukrative Galmeiabbau, günstige Steuern und die Möglichkeit dem Militärdienst in Preußen und in den Niederlanden zu umgehen ließen die junge Nation rasch wachsen. Andersdenkende aus beiden ä.ndern zogen nach Neutral-Moresnet. Manche kamen um sich den Autoritäten in der Heimat zu entziehen und das Machtvakuum zu nutzten um Schwarzbrennereien und Spiellokale zu eröffnen.
Andere kamen, im Gepäck die Vorstellung von einem neuen visionären Staat, formbar nach den Ansprüchen einer neuen Zeit. So bildete sich in Neutral Moresnet eine Schar von Anhängern der neu entwickelten Plansprache Esperanto. Eine Sprache, die die Völker einen sollte. Man strebte an, unter dem Namen Amikeyo (esperanto für: Ort der Freunde) Neutral-Moresnet in einen Esperantostaat zu verwandeln. Beim vierten Esperanto-Kongress in Dresden 1907 wurde schließlich sogar beschlossen Neutral-Moresnet statt Den Haag zur Welthauptstadt der Esperantisten zu küren. Doch der 1.Weltkrieg und der Einmarsch deutscher Truppen beendete die Bestrebungen. Neutral-Moresnet wurde 1919 dem Verteiler Vertrag folgend Belgien zugesprochen. Es wurde nach seinen Galmeivorkommen in la calamine / Kelmis umgetauft.
Kelmis ist heute noch stolz auf seine „neutrale“ Vergangenheit und ist nach wie vor Gegenstand medialer Betrachtungen. Die ZEIT schreibt: „Von den umliegenden Gemeinden wird es [Kelmis] mit einer Mischung aus Misstrauen und Bewunderung beäugt. Es gilt als weltoffen, allerdings auch als etwas eigen und sittlich etwas verlottert. Vielen Kelmisern gefällt die Idee von einem eigenständigen Zwergenstaat, auch wenn es damals zuging wie in Klein-Chicago, sagt mit unverholenem Stolz Mathieu Grosch, der heutige Bürgermeister von Kelmis.“(Zeit Online 01/2007 Fünzig Häuser ohne Staat) Im Jahr 2013 war Kelmis Austragungsort des Festo, eines einwöchigen Musikfestival für Esperandisten. Knapp 200 Besucher campierten zu diesem Zweck auf den Weidefl.chen rund um Kelmis. Straßenschilder sollen bald neben Deutsch und Französisch auch auf Esperanto aufgestellt werden.

Ein Brückenschlag der Trennung
Um schweres Material für die militärischen Vorhaben schneller bewegen zu können beschlossen die deutschen Militärbehörden zu Kriegsbeginn 1914 den Bau eines Viaduktes über das Göhltal bei Moresnet. Dazu wurden auch Zwangsarbeiter aus Belgien, Deutschland, Italien, Ungarn, Kroatien und Russland, sowie russische Gefangene eingesetzt.
Einem belgischen Radfahrerbataillon gelang es im Mai 1940 einen Teil des Viaduktes zu sprengen. Unter erneuter deutscher Besatzung wurde die Brücke repariert und war 1940 wieder befahrbar.
Während des Rückzugs 1944 zerstörten deutsche Truppen das Bauwerk umfangreich. Belgien brauchte wegen akuten Stahlmangels rund fünf Jahre zur Reparatur.
Auch wenn Der Viadukt nach dem 2. Weltkrieg eine wichtige Eisenbahnverbindung in der Region war, befand er sich technisch in einem schlechten Zustand sodass er in den Jahren 2002 bis 2004 umfassend saniert und in der Folgezeit auch für die Verwendung von Elektrolokomotiven modifiziert wurde.
Vor dem Hintergrund dieser Geschichte hat sich die Rolle des Viaduktes gewandelt. Während er vor hundert Jahren ein Vergegenwärtigung der Kriegsmaschinerie, der Trennung und das Ende einer Utopie verkörpert, ist er heute verbindendes Element zwischen Deutschland und Belgien, Aachen und Liège. Im Januar 2015 jährt sich der Baubeginn des Viaduktes zum 100. mal.

Aufgabe
Kelmis ist landschaftlich reizvoll gelegen. Mit Dem Bau des Esperanto Hostels mit seinen angegliederter Übernachtungsmöglichkeiten sollen für den Besuch von Schulklassen als Herberge, sowie als Tagungsort für Sprachkurse Räumlichkeiten entstehen.
Thema dieses B1- Projektes ist es darüber hinaus einen Begegnungort für Anhänger skurriler Utopien zu entwerfen. Esperanto ist, auch wenn es sich als gemeinsame Sprache in Europa nicht durchsetzen konnte heute ein Sinnbild der Völkerverständigung. Auf der Suche nach einer Architektursprache für diese Bauaufgabe sind Anlehnungen an die Plansprache Esperanto, die aus 16 verschiedenen europäischen Sprachen komponiert wurde denkbar.
Aufgrund seiner geschichtlichen Bedeutung ist eine Einbeziehung des Viaduktes in Form von An- Über- oder Unterbau, hängen, stellen, setzen legen nicht nur m.glich sondern ausdrücklich erwünscht.
Der Entwurf soll sich durch eine gewisse Autonomie als auch durch ein kontextuelles Einpassungsvermögen auszeichnen.
Es gilt, die verschiedenen typologischen, morphologischen, sozialen, programmatischen, r.umlichen, konstruktiven und materiellen Aspekte zu verstehen und im Entwurf zu einer Synthese zu bringen.
Neben diesen Aspekten sollen der Charakter und die Benutzung der verschiedenen öffentlichen, kollektive und privaten Räume untersucht werden.

Thematische Schwerpunke des Entwurfes sind das Nachdenken über:
• Das Verhältnis zwischen den Maßstabsebenen: Landschaft, Siedlung, Viadukt und Gebäude
• Bezugnahme zum Bestand des Viaduktes im Rahmen einer Gesamtkomposition
• Die Rolle der Schwelle zwischen gemeinschaftlich genutzten und privat genutzten Räumen
• Den Typus der Herberge mit seinem differenzierten Raumtypologien
• Grundrissorganisation
• Plastische und skulpturale Ausformung von Gebäude und Fassade
• Materialität und Anmutung

 

Raumprogramm

Eingangsbereich
• Empfang Lobby /Rezeption 40 m2
• Backoffice 10,5 m2

An Rezeption angebunden
• Gepäckraum 6 m2
• WC Besucher 12 m2

An Lobby angebunden
• Bar & Lounge 70 m2

Für Besucher zugänglich
• Seminarraum 33 m2

Wohntrakt
• Schlafmöglichkeit für 40 Personen
Davon mind. 3 Doppelzimmer a 18 m2 inkl. Dusche/WC
• Gemeinschaftsküche mit Essbereich ca. 40 m2
• Waschräume insgesamt 20 m2
• WC 18 m2
• Putzraum 6 m2

Lager
• Personalbereich Pause/Umkleide/WC insg. 30 m2
• Technik 10 m2
• Müllraum 6 m2
• Wäschelager 6 m2
• Trockenlager 16 m2
• Fahrradraum für 40 Räder


 

Zoe Reber

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Hendrik Hermans

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