SS16 // M1-M2 // Hotel Amsterdam
Titelbild_Hotel Amsterdam M1_Bauplatz-Outline_1

 

Sommersemester 2016

Prüfer: Univ. Prof. Sabine Brück, Ir. Ing. Architekt Bas van der Pol
Betreuer: Dipl. Ing. Architekt DGNB Auditor Christoph HelmusIr. Ing. Architekt Bas van der Pol

 

Reality Now: Hotel auf KNSM Eiland, Amsterdam (NL)

 

Termine
Dienstasg ab 9:30u Betreuung (im Lehrgebiet Bauplanung und Baurealisierung R016 im EG)
Di., 12.04.16 Einführungsveranstaltung [bitte nicht vergessen: Anzahlung Exkursion €100,-]
So., 01.05.16 – Mi.04.05 Exkursion Amsterdam
Di., 24.05.16 Kolloquium 1
Di., 12.07.16: Kolloquium 2
Di., 23.08.16 + Mi., 24.08.16 Kolloquium 3: Entwurfsabgabe

 

Aufgabe
Gegenstand dieses M1 Projektes ist der Entwurf eines Hotels auf dem Kopf der KNSM-Insel im Amsterdamer IJ in den Niederlanden.

In den vergangenen 20 Jahren konnte ein starker Anstieg der Tourismuszahlen verspürt werden. Durch den Anstieg des allgemeinen Wohlstandes konnten sich mehr und mehr Menschen einige Urlaubsreisen pro Jahr leisten. Sogenannte ‚citytrips’ sind für vielen West-Europäer inzwischen ein wiederkehrendes Freizeitvergnügen. Weitere Gründe für die Zunahme des „Stadt-Tourismus“ ist die Nachkriegsgeneration, die momentan in Rente geht, sowie der mittlerweile große Markt an sogenannten Low-cost Airlines (z.B. Easyjet und Ryanair).

Amsterdam hat von dieser Tendenz erheblich profitiert. Die Stadt ist bekannt für ihren attraktiven Stadtraum, Museum und Kulturleben, die offene Mentalität und für viele einfach zu besuchen, weil die Niederländer i.d.R. mehrsprachig kommunizieren. Die Gesamtlage hat zur Konsequenz, dass in den vergangenen Jahren bis heute immer noch sehr viele Hotels gebaut werden. Im Jahr 2010 bot Amsterdam ungefähr 20.000 Hotelzimmer, im Jahr 2015 waren es schon 29.000 (in 460 Hotels) und voraussichtlich wird Amsterdam im Jahr 2018 35.500 Hotelzimmer (in 566) Hotels anbieten können.

Natürlich entsteht auf diese Weise einen Konkurrenz innerhalb der Hotelbranche. Parallel bemerken viele Hotels derzeit starke Konkurrenz von den neuen digital organisierten Systemen und Social Media wie z.B. AirBnB und Booking.com. Dabei melden sich jetzt auch die Einwohner von Amsterdam und verlangen eine Begrenzung der Touristen-Zahl in ihrer Stadt. Dieses zwingt Hotels sich Heutzutage wieder zu unterscheiden und sich strategisch zu positionieren auf dem Hotelmarkt. Wie kann das erfolgen?

Drei maßgebliche Strategien sind zu erkennen:
1. Starker Fokus auf eine bestimmte Zielgruppe,
2. Anbieten von sehr differenzierten Hotelerlebnissen.
3. Intelligente und kosteneffiziente Bauerstellung du dadurch niedrige Preise / oder höheres Serviceniveau.

Die Aufgabe dieses M1 Projektes konzentriert sich genau auf diese Strategien.

 

Ort & Umgebung
Ungefähr 26% der Niederlande liegen heutzutage unterhalb des Meeresspiegels. In diesem Gebiet liegt die Hauptstadt der Niederlande: Amsterdam. Früher lag Amsterdam an der ‚Zuiderzee’, eine flache Meeresbucht der Nordsee größtenteils auf dem Gebiet des heutigen IJsselmeeres. Im Bereich der Flussmündung, dort, wo im Mittelalter der kleine Fluss ‚Amstel’ ins das IJ floss, entstand während des ± 9. Jahrhunderts ein kleines Fischerdorf namens Amstelerdam. Um die regelmäßigen Überflutungen des umliegenden Landes zu unterbinden wurde in diesem Bereich der Amstel ein Damm mit Schleuse gebaut. Dieser Damm mit Schleusenstufe bildete einen neuralgischen Punkt für die Wasserhandelsstraße. Somit wuchs diese Siedlung schnell. Während des 16. und 17. Jahrhunderts entwickelte sich die Niederländische Republik zu einer starken Schifffahrts- und Handelsnation. Ende des 17. Jahrhunderts, dem sog. „Goldenen Zeitalter“, wurde von den Niederländern ca. 50% des gesamten Welthandels umgeschlagen. Amsterdam profitierte hiervon erheblich aufgrund seiner günstigen Lage an der ‚Zuiderzee’ und dem Zugang zum weltumfassende Seewegenetz. Amsterdam wurde zu diesem Zeitpunkt eine der bedeutendsten und reichsten Städte Europas von wo aus erfolgreiche Schifffahrtsexpeditionen organisiert wurden, welche u.a. die Reichtümer aus den Kolonien nach Europa brachten.

Diese außergewöhnliche Blütezeit hatte einen sehr starken Einfluss auf die Entwicklung der Niederländischen Kultur. Maler wie Rembrandt, Vermeer, Ruysdaal, u.v.m., waren nicht nur in Amsterdam ein Begriff, sondern beeinflussten Kunst- und Kulturschaffende weltweit.

Voranschreitende Erkenntnisse in Wissenschaft und Forschung sowie technische Entwicklungen, beispielsweise auf dem Gebiet der Mikroskopie, der Anatomie, der Astronomie, der Kartographie, der Gartenbaukultur und der Buchdruckkunst hatten überregionale Strahlkraft.

Gegen Ende des 18. Jahrhundert befanden sich die Niederlande in der Blütezeit. Die industrielle Revolution jedoch ist die dieser Phase in großem Maße an den Niederlanden vorbeigegangen. Erst Ende des 19. Jahrhunderts fanden die Niederlande wieder Anschluss an die fortschreitende industrielle Entwicklung der Nachbarländer. Ingenieure schufen während der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts überall in den Niederlanden neue Transportverbindungen. So wurde auch die Verbindung zwischen Amsterdam und dem offenen Meer verbessert. Mit einem neuen Kanal wurde Amsterdam 1876 direkt mit dem Meer verbunden. Größere Schiffe mit größerem Tiefgang konnten nun das offene Meer ohne Passage des flachen Binnenmeeres erreichen.

Zwar wurden die Transportmöglichkeiten im 19. Jahrhundert stark verbessert, die niederländischen Siedlungs- und Landwirtschaftsflächen waren aber nach wie vor starken Gefährdungen durch Überflutungen ausgesetzt. 1932 wurde der große Abschlussdeich (‚Afsluitdijk’) fertig gestellt. Hierdurch entstand das heutige gezeitenlose Binnengewässer ‚IJsselmeer’ mit stabilem Wasserstand. Amsterdam und ein großer Teil der Niederlande werden so vor Überflutungen geschützt.

Die Häfen von Amsterdam, den sich seit Jahrhunderten in Richtung Westen entwickelt hatten, fingen an sich unter dem Einfluss des neuen Nordsee-Kanals in östliche Richtung zu entwickeln. Diese Umkehrung vollzog sich relativ langsam aber hatte zur Folge, dass die meisten Hafenindustrien während der 70er und 80er Jahren weggezogen sind. So hat auch die Koninklijke Nederlandse Stoomvaartmaatschappij (KNSM) letztendlich diesen Teil von Amsterdam verlassen und es entstand ein Gebiet für neue Entwicklungen.

Am Anfang der 90er Jahren sind für dieses Gebiet verschiedene Masterpläne entwickelt – aber nie realisiert worden. Letztendlich hat die Stadt sich entschieden, die Entwicklung von den alten Häfen und den Ufern vom IJ in Teilgebieten zu entwickeln und damit mehr Einfluss von Entwickler und Endnutzer zu zulassen.

Jedoch hat die Stadt die qualitative Entwicklung von den IJ-Ufern stark stimuliert. Einige wichtige kulturelle Institutionen aus der Stadt wurden auf strategischen Punkten um diese Wasserfläche positioniert. So sind zum Beispiel das „Theater aan het IJ“ mit dem „BIM-huis“, die Stadt—Bibliothek „OBA“, das Konservatorium und das EYE-Film Museum jetzt in diesem Gebiet angesiedelt worden. Damit versucht die Stadt Amsterdam nicht nur den Bezug von der alten Stadt mit dem Wasser zu erneuern, sondern auch die nördlichen Stadtteile mit dem Reste der Stadt zu verbinden. Dieses wurde weiter verstärkt durch die Entwicklung der neuen Nord-Süd Metrolinie. Damit kommt das IJ jetzt im Herz der Stadt Amsterdam: ein sehr chancenreiches Gebiet wegen der außergewöhnlichen Dichte von Kulturinstituten und ausgezeichneter Anbindung an den ÖPNV. Hier befindet man sich im Zentrum einer Klein Metropole ansich, ist aber in 15 Minuten per Wasserweg oder mit der Bahn in der Innenstadt.


Baugrundstück
Auf dem Westlichen Endpunkt von KNSM Eiland befindet sich ein noch unbebautes Baufeld. Das Baufeld bildet den Endpunkt, bzw. der Kopfpunkt der städtebaulichen Struktur der Insel mit Blick auf das IJ und zwischen KNSM und Hauptbahnhof.

Das Baufeld wird von der anschließenden Bausubstanz durch eine Straße getrennt. Diese führt auf die Brücke, welche KNSM-Eiland mit Amsterdam verbindet. Die Mole dieser Brücke verursacht einen Höhenunterscheid von etwa 2m in die süd-östliche Ecke des ansonsten flachen Baufeldes.

Das Baufeld läuft am Kopfende in ein spitzes Dreieck aus und darf im Rahmen der Entwurfsbearbeitung zu 100% bebaut werden. Die angrenzende Baustruktur der Insel in Form von Blockrandbebauungen wird gekennzeichnet durch große, öffentliche durchwegte Innenhöfe mit thematischer Namensgebung.

Eine Reaktion auf diese Struktur im Rahmen der Entwurfsbearbeitung ist empfehlenswert.


Themenschwerpunkte im Rahmen der Entwurfsbearbeitung

Hotelkonzept
Die Entwicklung des Hotelkonzeptes für den gewählten Standort bildet heute den zentralen Ausgangspunkt für alle hierauf aufbauenden Raumprogrammkonstellationen, Planungs- und Vermarkungsstrategien

Vorfertigung
Zeitgemäße Optionen der Bauerstellung mit Blick auf Vorfertigungsgrad, Bauteil-Elementierung, Baustelleneinrichtung, etc., sind Lehrgegenstand und sollen bei der Entwurfskonzeption- und Ausarbeitung einfließen.

Brandschutz
Brandschutzparameter haben bei der Planung des Hotels maßgeblichen Einfluss. Sie beeinflussen die Strukturierung des Baukörpers, die Erschließung, die Innenarchitektur- und Oberflächengestaltung, die Gesamtwirtschaftlichkeit des Projektes. Während der Input-Phase wird hierzu ein Expertenvortrag/ Expertenworkshop zum Thema Brandschutzparameter auf Grundlage der in Deutschland maßgeblichen Verordnungen durchgeführt. Die Referentin hat zahlreiche Bauvorhaben in der Baupraxis als Brandschutzplanerin begleitet und wird im Rahmen des Workshops auf exemplarische Hotel-Vorentwurfsstudien der Studentinnen/ Studenten eingehen.

Ergänzendes Modul
Entwurfsbegleitende Kostenplanung, Schwerpunkt Brandschutz

Das ergänzende Modul zum M1-Hotelentwurf wird von Prof. Dr. Elisabeth Beusker, Lehr- und Forschungsgebiet Immobilienprojektentwicklung, angeboten.

Die M1-Entwurfsbearbeitung wird, wie in der Baupraxis üblich, begleitet und stark beeinflusst von Aspekten der Kostenplanung.

Zu Anfang werden Grundlagen der Baukostenplanung und Mengenermittlung im Rahmen von Inputveranstaltungen vermittelt. Parallel zur Entwurfsbearbeitung werden darauf aufbauend unterschiedliche Brandschutzkonzepte des Entwurfes und die hieraus jeweils folgenden Auswirkungen auf die Herstellungskosten bewertet und gegenübergestellt.

Die Anmeldung zum ergänzenden Modul erfolgt über Campus:
L_s16_MSc_Ergänz. Modul 1+2+3_M1:Hotel in Amsterdam_IPE_20TN
P_s16_MSc_Ergänz. Modul 1+2+3_M1:Hotel in Amsterdam_IPE_20TN

 

Dieses M1 kann im Zweifelsfall auch als M2 bearbeitet werden.

 

Detaillierte Seminardarstellung unter folgendem Link: Präsentation Hotelprojekt

 

Quellen:
http://nos.nl/artikel/2093563-amsterdam-krijgt-nog-ruim-100-nieuwe-hotels-daarna-gaat-de-rem-erop.html
http://theodeutinger.eu/projects/show/budget-airlines/#txt
https://www.ois.amsterdam.nl/toerisme