FF // WS21-22 // Competitionparadox

The 1958 International Competition for Toronto’s City Hall and Square
(Quelle: George Thomas Kapelos OAA, FRAIC, https://architexturez.net/doc/az-cf-184724)

 

FF | Competitionparadox

 

Inhalt:

Der Architekturwettbewerb gilt seit über zwei Jahrhunderten als Schlüssel zur Steigerung der Baukultur. Ambitionierte Architekten schultern im gegenseitigen Kräftemessen unter anderem Nutzervorgaben, Raumprogramme, Normen und Kosten mit der Aussicht auf ein neues Projekt. Entwicklungen der letzten 20 Jahre zeigen aber auch Schattenseiten des zeitgenössischen Wettbewerbswesens auf:
• Jungen und vermeidlich unerfahrenen Architekten wird der Zugang zu vielen
Wettbewerbsverfahren wegen fehlender Referenzen verwehrt.
• Die Abgabeleistungen vieler Verfahren übersteigen die Kapazitäten vieler
Architekten hinsichtlich der Zeit und Kosten.
• Es wird darüber geklagt, dass zeitgenössische Wettbewerbsverfahren auf Grund
von Überregulierung architektonisches Mittelmaß fördern oder prämierte Entwürfe
gar nicht realisiert werden.

In diesem Forschungsfeld wird der Einfluss von Architekturwettbewerben auf die städtebauliche Entwicklung untersucht.
Am Beispiel der Stadt Aachen soll zuerst die Quantität der Wettbewerbsverfahren erhoben und anschließend die Qualität der Ergebnisse beleuchtet werden.
Der untersuchte Zeitraum beginnt mit dem Ende des 2. Weltkriegs, endet in der Gegewart und umfasst somit sieben Jahrzehnte.
Das Forschungsfeld unterteilt sich auf zwei Semester.

Stadtentwicklung ohne Wettbewerb?
Architekturwettbewerbe in Aachen seit Ende des 2. Weltkrieges

Städte wachsen, neue Gebäude entstehen, alte Strukturen werden umgenutzt und Viertel nachverdichtet – alles potenzielle Handlungsfelder für ArchitektInnen und Stadtplaner. Unendliche Aufgaben und unerschöpfliche Möglichkeiten der Partizipation für Planer also?
Um eine geordnete Verteilung von Bauaufgaben zu ermöglichen und gleichzeitig ein Maß an Architekturqualität einzuhalten, haben sich im Laufe der Geschichte seit dem 19. Jahrhundert erste Wettbewerbskonkurrenzen und später daraus Architekturwettbewerbe entwickelt.
Schon seit Jahrzehnten (wenn nicht Jahrhunderten) wird über Fairness hinsichtlich der Teilnahmemöglichkeiten und (objektiver?) Bewertung durch die Jury, die Sinnhaftigkeit des Verfahrens an sich und Chancen auf spätere Umsetzung eines Wettbewerbbeitrags gestritten.
Daraus stellt sich vielen ArchitektInnen und StadtplanerInnen Fragen: Macht es überhaupt Sinn, das finanzielle Risiko einer Teilnahme trotz geringer Aussichten auf Erfolg einzugehen? Kann ich durch die Teilnahme an Wettbewerben wirklich an städtebaulichen Entwicklungen
partizipieren? Machen Wettbewerbe Sinn?

Hintergrund

Was ist ein Architekturwettbewerb / städtebaulicher Wettbewerb?
Wird eine größere bauliche Maßnahme angedacht, werden anhand vorausgehender Analysen und Vorstudien Auslobungen (vgl. mit Entwurfsaufgaben an der Universität) erarbeitet, die einem Teilnehmerfeld aus ArchitektInnen bzw. StadtplanerInnen zur Verfügung gestellt werden.
Diese erarbeiten in einem Zeitraum mehrerer Monate eine entwürfliche Lösung der Aufgabe.
Meistens handelt es sich dabei um öffentliche Bauten, seltener führen private Bauherren Wettbewerbe durch.
Die Intension des Architekturwettbewerbs ist die Sicherung der Baukultur durch ein Spektrum möglicher Lösungsansätze und der daraus entstehende Diskurs.
Wettbewerbe werden in offener (alle ArchitektInnen bzw. StandplanerInnen zulassungberechtigt) oder geschlossener (gesetzte und geloste Teilnehmer) Form ausgelobt.

Welche Bedeutung hat das Thema für Studierende?
Die Möglichkeiten der Partizipation für ArchitektInnen und StadtplanerInnen ist in der zeitgenössischen Auslegung und Umsetzung der Wettbewerbsverfahren eingeschränkt und somit das Berufsbild langfristig gefährdet.
Chancen für “junge” ArchitektInnen, die in der Vergangenheit erste größere Projekte über Wettbewerbsverfahren akquiriert haben, selbstständig ins Berufsleben zu starten, sinken, da nur wenige offene Wettbewerbsverfahren ausgelobt werden und geschlossene Verfahren eine deutliche Hürde darstellen (u.a. wegen geforderter Referenzen)
Das Wissen, um die wirkenden Kräfte und Umstände in Wettbewerbsverfahren, erweitern den Blick und fördern die kritische Auseinandersetzung mit dem Berufsbild.

Warum wird Aachen untersucht?
Die die unmittelbare Nähe zur RWTH hilft bei der anstehenden Recherchearbeit
Durch die überschaubare Stadtgröße ist auch die Anzahl der Wettbewerbsverfahren für den Rahmen des Forschungsfelds greifbar
Die Ausgangssituation der Stadt Aachen nach dem 2. Weltkrieg eignet sich als Start der Feldstudie: Zum einen wegen des hohen Grades der Zerstörung und den notwendigen Wiederaufbau (“Tabula Rasa”).
Haltungen in der Politik / Gesellschaft und Wirtschaft lassen sich ggf. auf den aktuellen Diskurs übertragen.

Vorabzug Aufgabenstellung

Betreuung:

Michael Dolinski