M2 // WS18/19 & SS19 // Mall of Minsk
M2 redux

 

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Mall of Minsk

 

Termine

Do. 04.10.2018, 8.30 Uhr: Projektvorstellung, Hörsaal 1010/101 (HAUPTGEBÄUDE)
Di. 09.10.2018, 10.00 Uhr: Erstes Treffen, Lehrgebiet Bauplan
Di. 30.10.2018: 1. Kolloquium
Di. 18.12.2018: 2. Kolloquium
Di. 15.01.2019: 3. Kolloquium
Di. 12.02.2019: 4. Kolloquium / Abgabe M2.1
Di. 30.04 – So. 05.05.2019: 5. Kolloquium / Exkursion Minsk
Di. 04.06.2019: 6. Kolloquium
Di. 09.07.2019: 7. Kolloquium 
N.N.: Prüfung, Abgabekolloquium
N.N.: Nachprüfung

Betreuung

Dasha Kuletskaya

Michael Dolinski

 

Kontext

Belarus (oder Weißrussland) ist wahrscheinlich die letzte terra incognita auf dem europäischen Kontinent. Dabei befindet sie sich im geografischen Zentrum Europas und ihre Geschichte ist ein bedeutender Teil der europäischen Geschichte. Marc Chagall, Adam Mickiewicz, Igor Strawinsky, Fjodor Dostojewski, Schimon Peres – um nur wenige zu nennen – wurden auf belarussischem Territorium geboren, berühmt wurden sie allerdings erst außerhalb ihrer Heimat.

Als Übergangszone zwischen verschiedenen Großmächten, Religionen und Kulturen war Belarus immer ein Schauplatz verwüstender Kriege. Auf der Kreuzung vieler Wege hat das weißrussische Territorium nur wenige kriegerische Auseinandersetzungen in Europa gemieden. Dabei ist diese höhst prekäre geografische Lage auch prädestiniert für die Rolle einer Kontaktzone zwischen Ost und West. Während ihrer ganzen Geschichte war Belarus bereits ein Tiegel der Kulturen, Sprachen und Religionen. Auch jetzt, eingekeilt zwischen den zwei Supermächten – Russland und EU – hat Belarus geopolitisch keine bessere Wahl, als eine „Brücke“ zwischen den beiden zu sein.

In dem M2 Projekt „The Mall of Minsk“ werden wir uns mit dem höhst spannendem geopolitischen Kontext und der Geschichte der Stadt Minsk auseinandersetzen und den Übergang vom Sozialismus zum „wilden Kapitalismus“ anhand von Transformationen der gebauten Umwelt untersuchen.

Ort

Der Oktoberplatz – das Herz von Minsk. Benannt nach der kommunistischen Oktoberrevolution von 1917 ist ein im Zentrum der Stadt gelegener Platz. Auf dem Platz befindet sich neben weiteren prominenten Bauten auch der Palast der Republik, wo neben Konzerten und Theateraufführungen auch politische Veranstaltungen wie z.B. die Inauguration vom Präsidenten stattfinden. Direkt gegenüber, getrennt durch einen kleinen Park befindet sich die Arbeitsresidenz des Präsidenten. Auf dem Platz fanden nach der Präsidentschaftswahl 2006 zahlreiche Kundgebungen statt, bei denen die Anhänger der Opposition dem seit 1994 amtierenden Präsidenten Lukaschenko Manipulation vorwarfen. Unter dem Oktoberplatz kreuzen sich die beiden Linien der Metro Minsk.

Auf der rechte Seite des Palasts der Republik befindet sich das Grundstück, auf dem bis vor kurzem der Bau des Museums des Großen Vaterländisches Krieges stand. Errichtet im Jahr 1964 wurde das Museum dem Schicksal von Belarus während des Zweiten Weltkrieges gewidmet. Für ein Land, dass während des Krieges eine demographische Katastrophe erlitt und ein Drittel der Bevölkerung verloren hat wurde die Geschichte des Krieges identitätsstiftend. Auch für die Stadt Minsk, die nach der Befreiung am 03. Juli 1944 einer tabula rasa glich, wurde das Kriegsende zu einer Stunde Null. Eine radikale Totalsanierung machte aus einer Stadt mit tausendjähriger Geschichte eine komplett neue Stadt – die Musterstadt des Sozialismus.

Im Sommer 2014 wurde das Museum des Großen Vaterländisches Krieges in einen Neubau umgesiedelt, der alte Bau wurde abgerissen. Gleichzeitig ging in der Öffentlichkeit eine große Debatte um das Schicksal des prominentesten Bauplatzes in der ganzen Stadt los. Am 28.12.2016 hat Präsident Lukaschenko ein Dekret unterschrieben, dass das Grundstück für ca. 1,5 Mio. Euro an den Investor Dana Holding verkaufte. Das Unternehmen, dass bis jetzt an einigen prominenten Orten der Stadt seine höhst lukrativen und architektonisch fragwürdigen Projekte realisiert hat, sollte auf dem Grundstück einen „multifunktionalen Komplex“ errichten.

Die Baukräne sind bereits aufgestellt, mit dem Bau ist bereits begonnen.

Aber vielleicht wäre an diesem Ort auch eine Alternative denkbar?

Aufgabe

Ein Shoppingzentrum – eine höhst lukrative Aufgabe, welche die meisten Architekten, als ihres Berufsbildes unwürdig ansehen würden. Dabei ist es die Typologie, die wahrscheinlich die meisten Möglichkeiten hat unsere Städte zu gestalten.

„Shopping is arguably the last remaining form of public activity. Through a battery of increasingly predatory forms it has infiltrated, colonized, and even replaced, almost every aspect of human life“ – Mit dieser spitzen Aussage öffnet das „Harvard Design School Guide To Shopping“ den Exkurs zu der Entstehung und Transformation des mittlerweile allgegenwärtigen Phänomens.

In Minsk ist ein klassisches Shoppingzentrum eine relativ neue Typologie. In der Sowjetunion wurde der alltägliche Bedarf des Proletariats in wenigen Kaufhäusern abgedeckt.  Der Konsum wurde als eine Eigenschaft der kapitalistischen Gesellschaft verachtet. Wohlgemerkt wurde dabei auf die architektonische Qualität der Bauten ein hohes Augenmerk gelegt. Nach dem Zerfall der Sowjetunion im Jahre 1991 unterlag die Wirtschaft in Belarus für noch ca. 15 Jahre der starken staatlichen Kontrolle. Ausländische Investoren wurden nicht zugelassen, das Land wurde konserviert im Zustand eines „Museums des Sozialismus“.

Am Anfang der 2000er Jahre, nach einigen wirtschaftlichen Krisen, wurde offensichtlich, dass die staatliche Kontrolle die Wirtschaft und das Land bald gegen die Wand fahren würden. Die Regierung wurde somit gezwungen die Mechanismen der freien Wirtschaft zuzulassen. Im Jahr 2005 wurde die erste Mall eröffnet, seitdem hat sich die Typologie auch in Minsk fest etabliert.

Im Rahmen des Projektes soll ein Alternativentwurf zu dem aktuell geplanten “multifunktionalen Komplex“ entstehen. Das Programm soll sowohl Handelsflächen als auch eine Büro und Hotel beinhalten, wobei die Typologie der einzelne Elemente flexibel gewählt werden können. Es soll jedoch dabei ein Gesamtkonzept entstehen, welches dem Ort gerecht ist und ein Mehrwert für die Stadt bringt. Der Schwerpunkt des Entwurfes soll auf der Ausarbeitung der Handelsflächen liegen.

 

Downloads

M2 Aufgabe Vorabzug WS 2018/19

M2 Vorstellung WS 2018/19